GNTM 2017 – verschwende deine gefühle nicht, kauf lieber kadefungin (episode 5 + demo-review vom 8.märz!!)

Ich hatte eine verletzung an meiner hand, sodass ich letzte woche nicht schreiben konnte. Tut mir leid! Stattdessen habe ich bei twitter abstimmen lassen, ob ich ab jetzt auch reviews von demonstrationen schreiben sollte, und die mehrheit fand: Ja.

Greta skypet mit ihrem freund und weint. Sie sind seit 1,5 jahren zusammen. Er sagt: „Wir haben immer gesagt, wir gehen den schwierigen weg, weil wir uns über alles lieben und die zukunft einfach nur gemeinsam sehen.“ Greta sagt: „Freut mich zu hören.“ Sie weint und fragt sich, ob sie den contest aufgeben sollte, um bei ihm zu sein. Heidi sagt: „Neele hat mitleid mit greta.“

Dann fotoshooting mit christian schuller. Ich mag ihn nicht. Heidi sagt, er ist eine „überraschungsbombe“ und ich sehne mich danach, dass diese bombe ein für alle mal platzt und dann weg ist. Das shooting sieht aus wie von fury road dem film inspiriert, und von steam punk. Die models kriegen dreck ins gesicht und müssen dabei die augen aufhalten. Greta verspricht, dass es ihr bald besser gehen wird.

Ein berühmtes model ist da. Sie behauptet, das thema ist burning man!
In der werbung sagt boris entrup: „Camouflage ist den meisten von euch als tarnfarbe bekannt“ und dann schminkt er greta, aber er sagt: „Kreta“.

Lynn und ihr outfit sind in einen öden plot verwickelt.

Es gibt streit wegen reproduktionsarbeit, weil nicht alle ihren dreck wegmachen wollen.
Dann geht es um gruppendynamik. Darum ging es auch letzte folge schon. Michael sagt: „Es gibt die wilden models, wilden jungfrauen und die braven models. Aber da unser team diversity ist, ist auch platz für unterschiedliche charaktere.“
Leticia sagt am telefon: „Manche sind halt solche…Ulis.“ Und die person am telefon sagt: „Oh.“

Die coaches bringen den models jeweils eine langweilige runway-choreografie bei, für den final walk. Das heißt also, dass die episode schon fast zu ende ist! Ereignislos.
Immerhin gibt es kostenlose kleidung, von einer marke gesponsert. Die dachten sich so: Ich will, dass unsere brand sichtbar ist, aber casten würde ich keines dieser models, also machen wir lieber product placement. Es ist das erste mal in der gesamten staffel, dass tatsächlich mal ein markenname gezeigt wird. Später gibt es noch ein casting für die shape. Es hat 5 episoden gedauert, bis die sendung sich in die modeindustrie hineinbegibt. Ich vermute, es gab einfach nicht genug angebote. Niemand wollte, dass die GNTM-girls bei denen ins castingbüro reinmarschieren! Niemand wollte die eigene marke hinhalten! Die sendung ist mehr und mehr ein so-tun-als-ob, wie dieser supermarkt, in dem hartz-4-empfänger_innen plastik-gemüse verkaufen sollten, um die teilnahme am arbeitsmarkt zu üben.

Es passiert nicht mehr viel. Viele models sehen beim final walk aus wie die spice girls. Melina fliegt raus und ich denke, es hat doch alles keinen sinn mehr. Danach kommt die sendung “kiss bang love” und dann “red” das starmagazin. Unangenehm.

Auch unangenehm: Der 8. märz frauenkampftag. Ich habe mich entschlossen, hinter das wort „frauen“ kein sternchen zu setzen. Ich schreibe über frauen immer mit trans frauen im kopf, und meistens trifft das von mir geschriebene dann auch auf cis frauen zu. Nichtbinäre leute unter frauen-sternchen zu führen finde ich sinnlos, denn wenn sie sich nicht als frauen positionieren, wieso sollten sie dann so genannt werden? Ich persönlich bin keine frau und erwarte nicht, dass der frauenkampftag mich mit einem stern mitbenennt. Ich bin kein stern! Leider auch kein star.

Frau kann natürlich auch eine politische position sein, in die mensch sich einfügt, nicht als identität, sondern, um zu verstehen, wie die welt funktioniert und wie mensch selbst in ihr positioniert ist. Wenn race, class, citizenship, körper usw mitgedacht werden, dann lösen sich die fixen identitäten auf und es ist unmöglich, über „frauen“ an sich eine aussage zu treffen. Trotzdem ganz gut, am internationalen frauenkampftag von verschiedenen frauen die kämpfe mitzukriegen.

Ok. Also. Es gibt zwei demos in berlin, eine von friedrichshain aus, die international womens* struggle demo, und dann make feminism a threat again, von neukölln aus.
Wir fahren zum hermannplatz und eine fremde person fragt, was auf unserem banner steht und redet mit uns über feminismus. Sie sagt, dass sie es gut findet und vielleicht spontan noch kommt. Dann sagt sie, dass es wichtig wäre, auch endlich mehr über männer als opfer von sexualisierter gewalt zu sprechen und wir nicken.

Dann, am hermannplatz, fragt uns die polizei, was auf unserem banner steht. Wir zeigen es. Ich sage: „Wieso wollen sie das denn wissen.“ Die polizei sagt: „Wir müssen sichergehen, dass keine extremistischen oder menschenverachtenden botschaften darauf stehen.“ Ich sage: „Haben sie auch die antisemitischen plakate von dem da hinten überprüft?“ Die polizei sagt: „Der ist leider immer da.“ Die polizei schreibt auf, was bei uns draufsteht. Ich sage: „Und, dürfen wir? Ist das ok? Erlauben sie uns?“ Die polizei sagt: „Ja, ja, es gibt ja meinungsfreiheit.“

Es ist chaos und die bündnisse vermischen sich, es ist schwer zu verstehen, wo wir mitlaufen, weil alles so unübersichtlich ist und ewig dauert. Es nervt, denn wir reden ja sowieso nicht miteinander, wenn wir verschiedenen meinungen haben. Genau neben uns standen zB so anti-sexwork leute (SWERFs) und wir wussten es gar nicht! In einem interview sagten wir was über sexarbeit und hatten ein großes banner und so, danach wurden die interviewt und sagten, wir werden von der zuhälterlobby gesponsert. Dabei stimmte es nicht! Das hätten sie mit einer nachfrage leicht rausfinden können! In der sexarbeit verdienen frauen mehr als männer, fast wie beim modeln, aber die SWERFs in dem video sagten, dass der gender pay gap aufrecht erhalten wird, damit frauen prostituierte werden.

Grund, warum ich nicht bei der international womens* struggle demo war: Bei uns sollten noch cis typen mitkommen und bei der sollten keine kommen, stand in der ankündigung. Ich habe leider nicht mitbekommen, ob auf die andere demo verwiesen wurde oder gegrüßt wurde. Aber wer kann es schon genau wissen, chaos pur.
Wer auf jeden fall nicht wusste, dass es zwei demos gab, war der lautsprecherwagen von make feminism a threat again. Der war aus versehen bei der falschen demo und es hat lange gedauert, bis er es irgendwann mitbekam und nach neukölln fuhr. SMH! Shaking my head. Nicht, weil ein fehler passiert ist, sondern, weil linksradikale feminist_innen nicht mitkriegen, dass ihre genoss_innen in der gleichen stadt unterwegs sind. Wie heißt das nochmal, achja: White feminism.

In der zwischenzeit war rumsteh-programm. Es gab lila luftballons. Musik (zum beispiel ein auftritt von faulenzA) und redebeiträge, aber ich habe keine gehört. Mir war alles zu voll und abseits konnte ich es nicht hören. Grüne partei. Swerfs. Schilder. Zum beispiel die schlechtesten drei:
„Feminity is a male fantasy“
„Vagina“
„Pussy power“
Es gab auch viele Pussyhats. Und forderungen, dass frauen an die macht kommen sollen. Ich wollte am liebsten zu allen sagen: In deutschland ist eine frau an der macht, nämlich angelika merkel, und nicht donald trump, und was bringt uns das, nichts. Don’t go wasting your emotions!
Und auch so, gegen genitalfeminismus. Das ist plötzlich wieder ein riesending, vielleicht losgetreten von trumps wunsch „grab them by the pussy“? Die leute malen dann irgendwelche vulven auf und dann noch so die trans-flagge, oder ein sternchen und das soll dann für transgender mit-stehen. Aber wieso sehen die vulven dann immer gleich aus, wieso geht es nie um neovaginas und andere, schöne formen, wieso geht es überhaupt um genitalien, ist es nicht objektifizierend, einen menschen auf sein_ihr genital zu reduzieren? Ah ja, doch, ist es. Für mich drückt ein hochgehaltenes schild mit einem genital noch nicht aus, was die person für eine politische position hat. Vielleicht scheidenpilz?
Kleine sidenote: Die gleiche firma, die die gängige anti-vaginalpilz-creme herstellt, stellt auch das gängige testo-gel her. Und viele kriegen, wenn sie testogel nehmen, auch schneller eine pilzinfektion. Dem sollte mal eine_r investigativ nachgehen.

Die demo geht los und jemand versucht, jemand anders seine antisemitischen schilder wegzunehmen, die polizei springt mit mehreren bullen auf die person drauf, ich weiß nicht, was dann passiert, vielleicht gibt es festnahmen, chaos, und von make feminism a threat again ist in dem moment nicht so viel zu spüren, viele wissen nicht, was sie tun sollen, die demo zieht weiter, chaos.
Es gibt rauchfackeln und sowas, in lila und pink, und die leute rufen slogans, aber mir sind jetzt keine guten aufgefallen, die ich noch nicht kannte und unbedingt erwähnen würde. Es gibt einen sexworker-block, mit roten schirmen. Die SWERFs von vorhin hatten übrigens weiße schirme, und noch dazu barcodes auf ihre weißen t-shirts drauf gedruckt. Damit wollen sie gegen konsum protestieren. Wie im bioladen!
Viele rufen „Kein gott, kein staat, kein patriarchat“, das hab ich früher auch gerufen, aber inzwischen nicht mehr. Ich habe das gefühl, es ist grade nicht das richtige zeitalter, glaube automatisch mit unterdrückung gleichzusetzen, denn das machen schon die von der EMMA.

Eine person von den sexarbeiter_innen hält einen redebeitrag, aber es ist schwer zuzuhören, weil er vom block make feminism a threat again teilweise übertönt wird. Was ist das überhaupt für ein titel. Feminismus ist doch die ganze zeit schon eine bedrohung, was denkt ihr denn, warum er entweder bekämpft oder neoliberal vereinnahmt wird? Weil er das bestehende system aufrecht erhält? Nein.

Ich lese unseren redebeitrag vor, dafür darf ich in den lautsprecherwagen reinklettern, darin sitzen zwei, die immer so durchsagen: „Keine männer im flti-block“ und ich sage: „Auch keine trans männer?“ und sie sagen so: „Doch, flti steht auch für trans! Aber keine männer!“ und jemand guckt zum fenster rein und sagt: „Soll ich die männer wegschicken“ und ich denke nur, OH GOTT (ja), aber ich lese meinen beitrag vor. Ich bin aufgeregt, denn es ist das erste mal für mich, und ich kann die leute, die ihn hören sollen, nicht sehen und ich weiß nicht, ob jemand zugehört hat. Aber danach fühle ich mich toll, habe einen adrenalinrausch und alles kommt mir aufregend und bedeutungsvoll vor, und ich weiß leider nicht, ob es das in wirklichkeit auch war.

Irgendwann, nach vielen stunden, sind wir beim oranienplatz, wo wir eigentlich die andere demo hätten treffen sollen, aber wir waren so spät, ich weiß nicht, ob das geklappt hat. Es gibt redebeiträge, ich bin todmüde und gehe nach hause.

Wie hat es euch gefallen? Schreibt es in die kommis. Bis bald!

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